Alles war bereit zur Feier. Die Schlagersängerin Cosi hatte ihre Hymne "Wir werden Meister" vor mehr als 3000 Zuschauern in Aschheim gesungen, die nur darauf warteten, dass die Bundesliga-Frauen des FC Bayern nach 33 Jahren wieder den deutschen Titel holen. Umso größer war die Enttäuschung hinterher, denn die Münchnerinnen unterlagen dem frischgebackenen UEFA-Cup-Gewinner und DFB-Pokalsieger FCR Duisburg mit 0:4 (0:1).
"So habe ich meine Mannschaft noch nie erlebt", war Bayern-Trainer Günther Wörle hinterher ratlos und suchte nach Erklärungen. Von Anfang an wirkte seine Elf gehemmt und hatte eine enorm hohe Fehlpassquote. Trotzdem hätte Nicole Banecki den bisherigen Spitzenreiter nach 32 Minuten in Führung bringen können, doch das Spielgerät prallte vom Quergebälk ab.
Die Schlüsselszene sollte sich unmittelbar vor dem Pausenpfiff abspielen. Simone Laudehr, aus Regensburg stammende Weltmeisterin in Reihen der Duisburgerinnen, kam nach einem Zweikampf mit Sandra de Pol im Strafraum zu Fall. "Den Elfer kann man wohl geben", meinte Wörle, während seine Spielerinnen protestierten. Inka Grings blieb davon unbeeindruckt und verwandelte zum 0:1.
Nach der Pause versuchten es die Münchnerinnen mit personellen Umstellungen, doch zum Erfolg führte das keineswegs. Im Gegenteil, nach einem Konter traf Simone Laudehr zum 0:2 (56.), zehn Minuten später war die eingewechselte Vanessa Martini zum 0:3 erfolgreich. Und als Inka Grings in der 86. Minute das 0:4 markierte, war der FC Bayern auch die Tabellenspitze los. Turbine Potsdam geht nun mit einem Tor Vorsprung in das Saisonfinale gegen den VfL Wolfsburg, während der FC Bayern zeitgleich am Sonntag (14 Uhr) beim Schlusslicht TSV Crailsheim antritt.
"Ich hatte mir eigentlich eine einfachere Rückkehr nach Crailsheim vorgestellt", gesteht Trainer Wörle, der bis Dezember 2008 die Württembergerinnen coachte und nun weiß: "Das gibt am Sonntag ein echtes Herzschlagfinale." Bis dahin will er seine Spielerinnen wieder aufrichten und etwas den Druck nehmen: "Denn das war wohl ausschlaggebend für die Niederlage gegen Duisburg."
Walter Brugger
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